Familie

Nicht mehr nur Mama und Papa

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A: 19,50 €

Autor: Juul Jesper
Verlag: Beltz , 2. Aufl. (2017)
251 Seiten

ISBN-10: 3-407-86440-X
ISBN-13: 978-3-407-86440-6

„Von Eltern, die der Partnerin oder dem Partner mit Empathie und Respekt begegnen, lernen Kinder, dass Menschen verschieden sind und dass das in Ordnung ist“ (Jesper Juul)

Vanessa

Unsere Bewertung: 5 von 5 Federn

Die Kinder sind da und plötzlich ist es vorbei mit dem blinden Verständnis zwischen Liebenden, stattdessen gibt es lautstarke Streits über Erziehungsfragen, Vorwürfe und Frust. So oder ähnlich geht es jungen Familien. Doch wie schafft man es, im Familienchaos als Paar glücklich zu bleiben?

Familientherapeut Jesper Juul hat ein neues Buch geschrieben. Da komme ich nicht daran vorbei, sozusagen eine Pflichtlektüre für mich. Und da bin ich nicht die Einzige. 40 Bücher in 20 Jahren hat der Däne mittlerweile geschrieben. Mit seiner reichhaltigen Erfahrung aus Familientherapien gibt er Eltern Tipps zu modernen Erziehungsfragen. Seine Lösungen beruhen auf dem Credo: „Erziehung durch Beziehung auf Augenhöhe“

Der im Februar veröffentlichte Ratgeber widmet sich diesmal nicht nur der Kindererziehung, sondern den Eltern. In „Liebende bleiben – Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken“ macht Juul Eltern Mut zur Zweisamkeit. Nur wenn man auch als Paar glücklich ist, sind es die Kinder ebenso, kurz: Beziehungsglück ist Familienglück.

Das 250-Seiten-starke Werk unterscheidet sich auch in der Aufbereitung von klassischen Erziehungsratgebern. Seine Thesen untermauert der Familienexperte durch reale Beispiele. Dafür wurden sieben Therapiesitzungen von Eltern mit Kindern aufgezeichnet und in Interviewform niedergeschrieben. Der Leser erhält somit Einblick in die Problematiken der Familie und die Entwicklung des Therapiegesprächs.

Als Liebespaar war man in alltäglichen Dingen ein eingespieltes Team. Auf Harmonie bedacht, innig und verbunden. Dann kommen die Kinder, die eigentlich noch mehr binden sollen, doch stattdessen trennen sie. Plötzlich ist es vorbei mit dem blinden Verständnis zwischen Liebenden, stattdessen gibt es lautstarke Streits über Erziehungsfragen, Vorwürfe und Frust. So oder ähnlich geht es jungen Familien. Doch Vorwürfe bringen einen nicht weiter. „Für unsere Erwartungen sind wir selbst verantwortlich – nicht der Partner und nicht die Kinder“, schreibt Juul. Das heißt reden und auch mal nein sagen, zugeben, dass man etwas nicht kann, nicht mehr schafft, nicht so will. Die eigene Persönlichkeit zum „Wohle“ der Familie aufzugeben, macht einen zum Opfer.

Aber auch den Partner sein lassen, auch wenn man sich in Erziehungsfragen uneinig ist. Keiner macht es richtig oder falsch. Jeder handelt nach seinen Erfahrungen, die er mit Erziehung und Familie gemacht hat. Gibt es Schwierigkeiten, ist es wichtig, dass man den Partner in einem ruhigen Gespräch fragt, wie man ihn in einer bestimmten Situation das nächste Mal unterstützen kann. „Was kann ich für dich tun?“ ist die zentrale Frage bei Konflikten, egal ob mit dem Partner oder den Kindern. „Von Eltern, die der Partnerin oder dem Partner mit Empathie und Respekt begegnen, lernen Kinder, dass Menschen verschieden sind und dass das in Ordnung ist“, so Juul.

Während das Ziel in den Therapiesitzungen in den meisten Fällen ist, zusammen zu bleiben, lässt Jesper Juul am Ende auch zwei Paare zu Wort kommen, für die die Trennung der bessere Weg war. Ein Kapitel widmet der Erziehungsberater und Autor daher Trennungskindern. Ein weiteres behandelt die „intuitive Verbindung“, die besondere Nähe die Kinder zu einem Elternteil haben.

Insgesamt: Ein Plädoyer für einen respektvollen Umgang miteinander, das dazu bewegt, die eigene Rolle zu überdenken, Vorwürfen Einhalt zu gebieten, stattdessen Hilfe anzubieten.

Ich habe beim Lesen viel nachgedacht, reflektiert und bereits umgesetzt. Ich habe verstanden, dass ich selbst verantwortlich für meine Erwartungen bin. An vielem muss ich dennoch arbeiten.

Diesen Satz nehme ich für mich (als Perfektionistin ;-)) mit: „Wo keine Veränderung möglich ist, wird es Zeit zu lernen, einander und uns selbst so zu akzeptieren, wie wir sind und uns gegenseitig wertzuschätzen. Wir können den anderen nicht ändern, und wir werden es niemals schaffen, perfekt zu sein.“